1. Was ist eine Biografie?

2. Was versteht man unter einer Autobiografie?

3. Was sind Memoiren?

4. Ablauf einer Biografie

 

Was ist eine Biografie?

Der deutsche Begriff Biografie ist den altgriechischen Wörtern ‚bíos‘ (Leben) und ‚graphein‘ (schreiben) entlehnt. Tatsächlich stammen die ersten schriftlichen Biografien, die uns heute zugänglich sind, aus der griechischen Antike des 5. bis 4. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Damals verfassten griechische Schriftsteller bereits Biografien berühmter Persönlichkeiten, z.B. über Heerführer, Könige oder Dichter. Manche Autoren beschrieben nicht nur eine, sondern zahlreiche Biografien unterschiedlicher Persönlichkeiten und fertigten die Geschichtsschreibung einer gesamten Epoche anhand ihrer zentralen Herrscher.

Im Gegensatz zu einer Autobiografie befasst sich eine Biografie nur mit dem Leben anderer Personen. Sie ist in vielen Fällen chronologisch aufgebaut, Ereignisse von Schwangerschaft/Geburt des Protagonisten werden fortlaufend bis zu dessen Tod beschrieben und gedeutet. Hierbei geht es nicht bloß um die Aneinanderreihung von Begebenheiten, sondern um Herstellen von Zusammenhängen des einzelnen Lebens mit dem jeweiligen historischen Kontext, mit anderen Personen oder Ereignissen. Eine Biografie überschreitet das Leben des Einzelnen, denn sie geht auch auf die Dinge und Ereignisse ein, die von außen auf die Hauptperson eingewirkt haben und ohne die ihr Leben nicht umfassend verstanden werden können.

Die Biografieforschung hat darüber hinaus Hinweise zu unterschiedlichen Biografieformen und -konzepten entwickelt, die ein versierter biografischer Autor selbstverständlich kennen muss. Auf jeden Fall ist eine Biografie das lebendige Gedächtnis zum Leben einer Person. In jeder Biografie ersteht die beschriebene Person wieder auf – je nach Perspektive mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten, Erfolgen und Misserfolgen. Eine gute Biografie versucht, dem einzelnen Menschen mit seinem Leben wohlwollend-kritisch gerecht zu werden. Vor allem will sie das Leben eines anderen Menschen würdigen und seine Handlungsweisen und Erfahrungen der Leserschaft überzeugend verständlich machen. Eine gut geschriebene Biografie kann zum Nachdenken über eigenes oder fremdes Leben anregen. Sie dient nicht einem platten Voyeurismus, sondern will Verständnis oder kritische Nachfragen erzeugen.

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Was versteht man unter einer Autobiografie?

Der deutsche Begriff Autobiografie ist den altgriechischen Wörtern ‚autós‘ (selbst, eigen) ‚bíos ‘ (Leben) und ‚gráphein‘ (schreiben) entlehnt. Eine Autobiografie ist demnach nichts anderes als eine Selbstbeschreibung des eigenen Lebens. Damit muss der Autor seiner Biografie notwendigerweise die meisten Ereignisse und Handlungen aus der Retrospektive beschreiben und sich auf seine Erinnerungen verlassen.

Selbstverständlich werden diese nicht objektiv dargestellt, sondern geben seine jetzige Sichtweise auf die Ereignisse wieder. Dadurch werden ebenfalls historische Ereignisse, die die eigene Biografie beeinflussen oder die den Rahmen für das eigene Leben darstellen, aus einer notwendigerweise subjektiven Sicht beschrieben. Dies ist aber kein Manko, sondern ergänzt die wissenschaftliche Geschichtsschreibung um wesentliche Fakten einer Geschichte ‚von unten‘ und hält bedeutsame Erfahrungen von Zeitzeugen fest.

Autobiografien wurden in Europa erst ab etwa dem 15. Jahrhundert verfasst. Mit dieser Epoche begann das Interesse am Individuum, am einzelnen Menschen und seiner Sichtweise, die nicht mehr von Herrschern und der Kirche bestimmt werden sollte. Doch ist die berühmte autobiografische Skizze des Kirchenvaters Augustinus (354-430 n. Chr.) schon mehr als 1500 Jahre alt. Seine ‚Confessiones‘, eine kritische Innenschau auf sein Leben, sind eine großartige autobiografische Darstellung, die geschickt philosophisch-theologische Gedanken mit wechselhaften Lebensereignissen in der Antike verknüpft.

Moderne Autobiografien sind nicht nur das Privileg von Personen des öffentlichen Interesses oder namhafter Politiker, Künstler oder Forscher. Nicht wenige Menschen möchten – oft  nach ihrem aktiven Berufsleben – ihre Vergangenheit und die damit verbundenen Erlebnisse für sich selbst, Familie und Freundeskreis festhalten. Dadurch wird nicht nur der Selbstentwurf ihres eigenen Lebens lebendig, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte.

Moderne Autografien werden entweder von den Protagonisten eigenständig verfasst oder sie bedienen sich der Zusammenarbeit mit einem Ko-Autor, der aufgrund seiner literarischen Vorbildung und professionellen Erfahrungen beim Aufriss und der sprachlichen Gestaltung der Autobiografie behilflich ist. Wurden bis vor einigen Jahren solche Autoren als Ghostwriter nicht eigens benannt, hat sich heute die Nennung des jeweiligen Ko-Autoren oder der -autorin eingebürgert. Auch private Autobiografin werden im Einzelfall mithilfe solcher Ko-Autoren verfasst; der eigentliche Urheber (lat. ‚auctor‘) ist und bleibt aber die Person, die ihr Leben für sich selbst und der Nachwelt beschreiben möchte.

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Was versteht man unter Memoiren?

Der eingedeutschte Begriff Memoiren entstammt dem französischen Begriff der mémoires, der wiederum eine Übernahme aus dem Lateinischen darstellt. Das lateinische Wort ‚memoria‘ meint schlicht Erinnerungen. Damit sind Memoiren schriftliche Lebenserinnerungen eines Menschen (manchmal mehrerer Personen), in denen die eigene Biografie anhand von schriftlich verdichteten Erlebnissen oder Erfahrungen beschrieben wird.

Das Wort ‚Memoiren‘ klingt eleganter als der Begriff ‚Erinnerungen‘. Er verweist aber auch darauf, dass Memoiren mehr sind als bloße Darstellungen von vergangenen Begebenheiten des eigenen Lebens. In seinen Memoiren versucht der Autor, sich selbst in seiner damaligen sozialen Rolle und in seiner Stellung in vergangenen Beziehungsgeflechten und Kontexten zu beschreiben. Er will darstellen, wer oder was er damals gewesen ist: das verwöhnte oder vernachlässigte Kind, der aufstrebende, aber mittellose Geschäftsmann, die unerfüllte oder erfüllte Liebende.  In den Memoiren versucht der Verfasser, sich selbst in seinen persönlichen Entwicklungen darzustellen. Was oder wer hat mich damals beeinflusst? Warum habe ich mich für die eine und nicht für die andere Option in meinem Leben entschieden? Welche zeitgeschichtlichen Ereignisse bestimmten mein Leben damals?

Memoiren haben demnach durchaus etwas Selbstkritisches, Reflektierendes, denn mit ihnen betreibt der Autor eine persönliche Rückschau auf sein Leben. Im Kern kann das Schreiben von Memoiren eine Rechtfertigung vergangener Entscheidungen bedeuten. Das kann schmerzlich oder erfüllend sein, je nachdem, welche Wertung im Nachhinein überwiegt. Wer sich auf den Weg begibt, seine Memoiren zu verfassen, wird vermutlich genau das wollen, sich selbst und seinen Lebensweg mit seinen Ereignissen und Beziehungen in einem hoffentlich freundlichen und ehrlichen Licht betrachten.

Wenn er sein Leben nicht nur für sich selbst beschreiben will, muss auch nach außen auf mögliche Leser und Leserinnen achten. Sie sollen seine Memoiren leicht und flüssig lesen können, gut verstehen und die beschriebenen Entwicklungen überzeugend nachvollziehen können. Deshalb ist das Verfassen von Memoiren ein anspruchsvoller Prozess, der durchaus von externer professioneller Hilfe profitieren kann.

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Ablauf einer Biografie

Das Leben einer historischen oder lebenden Person wird in den meisten Fällen anhand einer sogenannten Zeitleiste dargestellt. Dabei werden die Ereignisse im Leben dieser Person chronologisch von der Schwangerschaft/Geburt an, eventuell erweitert durch Informationen über die Geschichte der Familie vor diesem Ereignis, bis zum Tod dargestellt. Handelt es sich um eine Autobiografie, kann der Autor seinen Tod zwar nicht selbst darstellen, aber zumindest erzählerisch vorwegnehmen, wenn er das möchte.

Daher empfiehlt es sich, die einzelnen zentralen Ereignisse nach klassischen Gesichtspunkten zu ordnen: Geburt, Kleinkindalter, ggf. Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, Ausbildung/Studium, Berufseinstieg, parallel dazu Freundschaften, Beziehungen, Partnerschaften, Ehe, eigene Familiengründung und Geburt und Erziehung der Kinder, Berufslaufbahn und Erfolge, Firmengründung, Umzüge, Reisen, Trennungen/Verluste, Krankheiten, Sterbefälle, Geburt der Enkel etc. Eine andere Möglichkeit, den Verlauf einer Biografie zu gestalten, kann nach größeren Lebensphasen vonstattengehen: Herkunftsfamilie, Ausbildung, eigene Familiengründung, Auszug der Kinder, Verrentung etc. 

Alternativ ist auch der Verlauf einer Biografie nach bestimmten biografisch einschneidenden Ereignissen möglich (Krankheit, Unfall, Tod eines nahestehenden Menschen oder Geburt, Liebe, Hochzeit, Rettung etc.), die sich im Nachhinein als bedeutsame Knotenpunkte des Lebens oder Wenden erwiesen haben.

Dabei können die einzelnen Ereignisse unterschiedlich entfaltet werden: Wichtige Begebenheiten sollten ausführlicher beschrieben, weniger wichtige nur kurz angesprochen werden. Der Kinderwunsch und die Anstrengungen, ein eigenes Kind zu bekommen, können z.B. breit entfaltet werden, wenn es eine wichtige Phase im Leben darstellt. Aber auch ein Morgen, an dem die Kündigung des Arbeitgebers im Briefkasten lag, kann ein einschneidendes biografisches Ereignis sein und entsprechend gewürdigt werden. Ebenfalls können Beziehungen zu einzelnen Menschen, die sehr prägend waren, den roten Faden einer Biografie darstellen.

Entscheidend für die überzeugende Wirkung einer Biografie ist die Konsequenz, mit der einem bestimmten Gedankengang, einer speziellen Ereignisreihe oder einzelnen persönlichen Verbindungen eines Lebens gefolgt wird. Dadurch wird der Verlauf einer Biografie unter ein bestimmtes Thema gestellt, das beim Leser einen Wiedererkennungswert hat und dem erzählten Leben eine prägnante Richtung gibt.

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