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Englisch in akademischen Texten
Ein Doktorand kam mit einem abgelehnten Journal-Beitrag zu uns: Der Gutachter hatte mehrfach angemerkt, die Argumentation sei „unklar“. Bei der Durchsicht zeigte sich schnell der Grund – im gesamten Text stand „actual results“, wo „current results“ gemeint war. Aus „aktuellen Ergebnissen“ wurden so „tatsächliche Ergebnisse“, und die zentrale Aussage des Papers kippte. Ein einziger False Friend hatte die Begutachtung entscheidend beeinflusst.
Die zunehmende Internationalisierung der Wissenschaft macht Englisch zur dominierenden Publikationssprache. Doch gerade bei deutschsprachigen Autor:innen schleichen sich solche Fehler häufig ein – Wörter, die ähnlich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Dieser Artikel zeigt, wie Sie typische Stolpersteine erkennen und systematisch vermeiden.
Was sind False Friends und warum sind sie problematisch?
False Friends sind Wörter, die in zwei Sprachen ähnlich aussehen oder klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. In wissenschaftlichen Texten können sie zu Missverständnissen, inhaltlichen Fehlern oder stilistischen Mängeln führen – und damit weit mehr Schaden anrichten als ein simpler Tippfehler.
Das Tückische daran: False Friends fallen weder der Rechtschreibprüfung noch dem flüchtigen Gegenlesen auf, denn das Wort selbst ist ja korrekt geschrieben. Nur seine Bedeutung passt nicht zum Kontext. Erfahrungsgemäß sind Texte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften besonders betroffen, weil dort feine Bedeutungsnuancen die Argumentation tragen.
Beispielhafte Fehlinterpretation
Das klassische Beispiel ist das Wort „actual“, das nicht „aktuell“, sondern „tatsächlich“ bedeutet. Wer „actual results“ als „aktuelle Ergebnisse“ versteht – oder umgekehrt so übersetzt –, verändert den Aussagegehalt des Textes erheblich. In empirischen Arbeiten kann das die Interpretation ganzer Datensätze verfälschen.
Typische False Friends in akademischen Kontexten
Die folgende Auswahl zeigt häufige Stolpersteine, die in wissenschaftlichen Texten besonders relevant sind:
- „eventuell“ ≠ „eventually“ → „eventuell“ = „possibly“, „eventually“ = „schließlich“
- „sensible“ ≠ „sensibel“ → „sensible“ = „vernünftig“, „sensibel“ = „sensitive“
- „sympathetic“ ≠ „sympathisch“ → „sympathetic“ = „mitfühlend“, „sympathisch“ = „likeable“
- „fabric“ ≠ „Fabrik“ → „fabric“ = „Gewebe“, „Fabrik“ = „factory“
- „chef“ ≠ „Chef“ → „chef“ = „Koch“, „Chef“ = „boss“
Gerade „eventually“ ist in akademischen Texten gefährlich: Aus einer vorsichtigen Vermutung („eventuell zeigt sich ein Effekt“) wird im Englischen eine feste Ankündigung („schließlich zeigt sich ein Effekt“) – ein gravierender Unterschied in der wissenschaftlichen Hedging-Sprache.

Der Rückübersetzungs-Test: unsere Regel für Verdachtsfälle
Aus unserer Lektoratspraxis hat sich eine einfache Eigenregel bewährt, die Sie ohne Hilfsmittel anwenden können – der Rückübersetzungs-Test: Übersetzen Sie jedes verdächtig „deutsch klingende“ englische Wort gedanklich zurück ins Deutsche und prüfen Sie, ob der Satz dann noch dasselbe aussagt. Klingt die Rückübersetzung schief oder doppeldeutig, schlagen Sie das Wort nach, bevor Sie weiterschreiben.
Darauf aufbauend empfehlen wir eine systematische Herangehensweise in vier Schritten:
- Identifikation potenzieller False Friends im Text – alle Wörter markieren, die einem deutschen Begriff ähneln
- Kontextanalyse zur Bedeutungsprüfung: Passt die englische Bedeutung wirklich zur intendierten Aussage?
- Gegenprüfung mit Fachliteratur und einsprachigen Wörterbüchern
- Validierung durch muttersprachliches Feedback oder ein professionelles Lektorat
Tools zur Unterstützung
Digitale Hilfsmittel wie Linguee, Cambridge Dictionary oder DeepL Write bieten kontextbasierte Übersetzungshilfen. Für wissenschaftliche Texte ist jedoch die manuelle Prüfung durch Fachlektor:innen unerlässlich – Tools erkennen zwar Grammatikfehler, aber selten verschobene Bedeutungen. Was ein professionelles Lektorat dabei konkret leistet, erläutern wir im Beitrag Lektorat verstehen: Stil, Kohärenz und Terminologie.
Coaching für akademisches Englisch
Ein gezieltes Coaching hilft, sprachliche Unsicherheiten zu erkennen und nachhaltig zu beheben. Hauck & Autoren bieten individuelle Programme zur Verbesserung des wissenschaftlichen Englischs an – ergänzend zur klassischen Textprüfung durch unser Lektorat. Übrigens lauern ähnliche Stolpersteine auch in der deutschen Wissenschaftssprache selbst; einen Überblick gibt unser Artikel zu typischen Stolpersteinen der Wissenschaftssprache Deutsch.
Folgen fehlerhafter Verwendung
Die Verwendung von False Friends kann nicht nur die Verständlichkeit beeinträchtigen, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Textes gefährden. In Peer-Review-Verfahren führen sprachliche Ungenauigkeiten häufig zu Ablehnungen oder Überarbeitungsforderungen. Typische Konsequenzen sind:
- Missverständnisse in der Argumentation
- Unklare oder verfälschte Ergebnisse
- Stilistische Inkonsistenzen
- Negative Bewertung durch Gutachter:innen
- Reputationsverlust bei internationalen Publikationen
Merke: Ein False Friend ist kein Flüchtigkeitsfehler, sondern ein Bedeutungsfehler. Rechtschreibprüfungen finden ihn nicht – nur wer Bedeutungen aktiv hinterfragt, entdeckt ihn rechtzeitig.
Fazit: Sprachliche Präzision als Qualitätsmerkmal
Die korrekte Verwendung von Englisch in akademischen Texten ist ein entscheidender Faktor für die internationale Sichtbarkeit und Anerkennung wissenschaftlicher Arbeiten. False Friends stellen dabei eine unterschätzte Fehlerquelle dar, die sich mit dem Rückübersetzungs-Test, systematischer Methodik und professioneller Unterstützung zuverlässig vermeiden lässt. Für weiterführende Hilfe empfehlen wir unser Angebot im Bereich Englisch-Coaching und Publikationsberatung.


