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Warum sich der Doktortitel lohnen kann
Akademiker mit Promotion werden in der Regel zwischen 20 und 25 % besser bezahlt als solche ohne Doktortitel. Allein diese Zahl zeigt: Die Argumente für eine Promotion sind handfest – auch wenn der Weg dorthin beträchtlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand erfordert. Welche Gründe im Einzelnen für die Doktorarbeit sprechen und für wen sie sich lohnt, ordnet dieser Beitrag ein.
Das Bildungsideal hinter der Promotion
Bereits vor der Aufklärung gab es ein Nachdenken darüber, wie Bildung zu erfolgen habe, welche Ziele anzustreben seien und vor allem, welches Menschenbild einer Erziehung zugrunde gelegt werden solle. Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts bildete sich – auf den Erziehungsvorstellungen der Aufklärung basierend – das (neu-)humanistische Erziehungs- und Bildungsideal heraus, das sich durch eine Hinwendung zur Antike, zu ihrer Philosophie und ihren Denktraditionen auszeichnete. Dem Erlernen der alten Sprachen wurde ein besonderer Bildungswert zuerkannt; die Bildung war insbesondere an den durch Goethe und Schiller und durch den deutschen Idealismus geprägten Vorstellungen ausgerichtet. Kenntnisse in den modernen Fremdsprachen und der Erwerb naturwissenschaftlicher Kenntnisse waren demgegenüber von geringerer Bedeutung.
Auch ohne das Erlernen alter Sprachen geht es nach diesem Bildungsideal ganz allgemein um die Herausbildung eines „ganzheitlichen“ Menschen. Ziel jeglicher Bildungsbemühung ist nicht die Vervollkommnung der Ausbildung zu einem bestimmten Beruf oder Berufszweig, sondern die Befähigung zu verantwortungsvollem, d. h. wertegeleitetem Handeln. Dies erfordert das Beherrschen bestimmter Basistechniken, die auch und gerade bei einer Promotion bedeutsam sind: wissenschaftliche Präzision, Wahrhaftigkeit und das unablässige Suchen nach tragbaren und falsifizierbaren Resultaten. Wer diese Eigenschaften mitbringt, genügend Optimismus hat und für wen die finanzielle Frage geklärt ist – etwa über die in unserem Beitrag zur Finanzierung einer Promotion beschriebenen Wege –, für den stellt sich die Frage: „Soll ich eine Doktorarbeit schreiben?“
Welche Motive sprechen für die Doktorarbeit?
Die Promotion dient dazu, die Befähigung zu wissenschaftlichem Arbeiten nachzuweisen. Betrachtet man den beträchtlichen zeitlichen und auch finanziellen Aufwand, den eine Promotion erfordert, stellt sich die Frage: „Warum soll ich promovieren?“ Was veranlasst jemanden, sich nach dem Abschluss eines mitunter recht schwierigen und anstrengenden Studiums nochmals über mehrere Jahre hinweg mit einer bestimmten Forschungsfrage auseinanderzusetzen? Es lassen sich verschiedene Gründe bzw. Motive identifizieren – ausführlicher beleuchten wir die Beweggründe auch in unserem Beitrag Warum promovieren?
Die Wissenschaftskarriere: Da sind einerseits diejenigen, die eine spätere Karriere in der Wissenschaft anstreben, d. h. an einem Fachinstitut einer Hochschule oder Universität arbeiten und forschen möchten – auf natur- oder geisteswissenschaftlichem oder einem anderen Gebiet. Es handelt sich dabei meist um Absolventen, die besondere theoretische Fähigkeiten mitbringen und für ihr Fach sozusagen „brennen“. Es bedarf einer besonders hohen Motivation, denn die Stellen an Universitäten werden nach strengen Auswahlkriterien vergeben. Die Chancen auf einen Arbeitsplatz an einer Universität sind gering und von vielen Faktoren abhängig, insbesondere davon, ob genügend Stellen staatlicherseits vorgesehen sind bzw. finanziert werden können. Angesichts der Akademikerschwemme in vielen Fachbereichen hat der Staat die Möglichkeit, sich jeweils die Allerbesten des jeweiligen Gebietes herauszusuchen. Viele streben als Endziel eine Professur an, die allerdings oft erst nach vielen Jahren im „akademischen Mittelbau“ – also nach einer Assistentenzeit oder Tätigkeit als Akademischer Rat – erreichbar ist.
Fachliche Konvention: Darüber hinaus gibt es Fächer, in denen die Promotion quasi „dazugehört“, wie z. B. Biologie oder Medizin. Ärzte ohne Doktortitel gibt es zwar auch, sie sind aber selten. Dass sie keinen Doktortitel tragen, besagt nichts über ihre praktische Qualifikation als Arzt oder Ärztin – in der Bevölkerung wird das Führen des Doktortitels aber mehr oder weniger als Qualitätsnachweis angesehen.
Ansehen und Karriere: Für viele ist der Doktortitel auch eine Frage des Prestiges. In vielen Führungsetagen deutscher Unternehmen und in der Politik finden sich Personen mit Doktortitel. Außerdem werden Akademiker mit Promotion in der Regel zwischen 20 und 25 % besser bezahlt als solche ohne Doktortitel. Viele promovieren zudem, weil sie nach dem Studium sonst arbeitslos wären und ihre Anstellungschancen erhöhen wollen. Und schließlich promovieren viele auch allein deshalb, weil sie Freude an ihrem Fachgebiet haben.

Entscheidungsmatrix: Welches Motiv trägt wie weit?
In unserer Coaching-Praxis empfehlen wir, das eigene Hauptmotiv ehrlich zu benennen und gegen die Risiken abzuwägen. Diese Übersicht hilft dabei:
| Motiv | Wann es trägt | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Wissenschaftskarriere | Bei echter Forschungsleidenschaft und Spitzenleistungen | Wenige Stellen, langer Weg über den Mittelbau |
| Fachliche Konvention (z. B. Medizin) | Wenn der Titel im Fach faktisch erwartet wird | Aufwand realistisch in die Ausbildung einplanen |
| Gehalt und Aufstieg | In Branchen, die Titel honorieren (Industrie, Beratung) | 20–25 % Gehaltsplus erst langfristig wirksam |
| Ansehen / „Türöffner“ | In Führungsetagen und Politik | Allein als Motiv selten tragfähig |
| Freude am Fach | Immer – die stabilste Grundlage | Finanzierung und Zeitplan trotzdem klären |
Beachten Sie auch die Kehrseite: In manchen Bereichen, in denen vor allem Praxiserfahrung gefragt ist – wie z. B. in der Soziologie –, wird ein Doktortitel für nicht notwendig angesehen und verschlechtert mitunter sogar die Anstellungschancen, da Bewerber mit Doktortitel oftmals als überqualifiziert gelten. Eine ausgewogene Gegenposition finden Sie in unserem Beitrag zu den Argumenten gegen eine Promotion.
Tipp aus der Praxis: Prüfen Sie vor der Entscheidung drei Punkte schriftlich – Motiv, Finanzierung und Betreuungssituation. Wer alle drei Fragen klar beantworten kann, bricht die Promotion erfahrungsgemäß deutlich seltener ab.
Fazit: Wann sich die Promotion lohnt
Durch die Promotion gewinnen Sie mehr Zeit, um die Karriereplanung effektiver zu gestalten. Das Führen des Doktortitels ist in vielen Unternehmen ein „Türöffner“. Ferner können Sie durch die Promotion meist hochkarätiges Spezialwissen erwerben und interessante Kontakte knüpfen. Darüber hinaus gewinnen Sie als Doktorand Einblicke in spannende Forschungsprojekte. Ob Sie die formalen Hürden erfüllen, klärt unser Überblick zu den Voraussetzungen einer Promotion. Alles in allem: Eine Promotion lohnt sich, wenn die hier erörterten Gesichtspunkte auf Sie zutreffen!


