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Hilfe beim Schreiben eines wissenschaftlichen Artikels
Zwischen der Einreichung eines Manuskripts und seiner Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift vergehen häufig mehrere Monate, in manchen Disziplinen sogar mehr als ein Jahr – das Begutachtungsverfahren prüft jeden Beitrag auf Herz und Nieren. Wer publizieren will, sollte deshalb wissen, wie ein wissenschaftlicher Artikel funktioniert, bevor die erste Zeile geschrieben ist.
Mit einem wissenschaftlichen Artikel (englisch: paper) publizieren Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse für ein Fachpublikum. Wissenschaftliche Artikel werden nicht nur in Fachzeitschriften, sondern auch in Tagungspublikationen, in Sammelbänden oder Aufsatzsammlungen eines wissenschaftlichen Fachverlags in Printversion oder in elektronischer Form publiziert.
Hinter einem wissenschaftlichen Artikel steht entweder ein einzelner wissenschaftlicher Autor oder eine Gruppe von Wissenschaftlern, die zu einem bestimmten Thema geforscht haben. Alternativ können wissenschaftliche Artikel auch in populärwissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden; hier schreiben meist Fachjournalisten für ein breiteres Publikum, oder Wissenschaftler bereiten ihre Forschungsergebnisse für die breitere Öffentlichkeit auf.
Wie läuft das Review-Verfahren ab?
Ein wissenschaftlicher Artikel für die Fachwelt wird – wenn er in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden soll – vorab durch versierte Fachwissenschaftler geprüft. Man spricht hier von einem Review bzw. Peer-Review. Der eingereichte Artikel wird nach strengen wissenschaftlichen Kriterien untersucht und erst nach erfolgreich bestandener Prüfung in die Publikation aufgenommen. Häufig erhalten Autoren dabei Überarbeitungsauflagen: Das Manuskript muss präzisiert, gekürzt oder methodisch nachgeschärft werden, bevor es endgültig angenommen wird.
Bei Sammelbänden ruft der Herausgeber dafür infrage kommende wissenschaftliche Autoren auf und prüft ihre dann eingereichten Artikel auf Qualität, um sie bei erfolgter positiver Prüfung gemeinsam mit anderen Artikeln im Band zu publizieren. Auch der jeweilige Verlagslektor, der im jeweiligen Fachbereich ein Fachstudium absolviert hat, kann den wissenschaftlichen Artikel vorab auf Qualität mitprüfen. Es ist üblich, dass zu einer abgeschlossenen Forschungsarbeit mehrere wissenschaftliche Artikel in verschiedenen Publikationsorganen erscheinen.
Eine Konferenz oder Tagung von Wissenschaftlern beginnt im Vorfeld zusammen mit der Einladung der Scientific Community mit einem Aufruf zur Einreichung von wissenschaftlichen Artikeln, einem call for papers. Diese Artikel dienen während der Veranstaltung als Grundlage der Diskussion.
Wie ist ein wissenschaftlicher Artikel aufgebaut?
In der Forschung hat sich ein bestimmter Aufbau des wissenschaftlichen Artikels bewährt. Hierbei dient das methodische Vorgehen der Forschung als Leitfaden. Am Anfang steht im sogenannten Abstract die Essenz der Forschungsarbeit, sodass sich die Leser sofort über die wesentlichen Ergebnisse informieren können. Erst danach folgt der eigentliche wissenschaftliche Artikel.
Die international gebräuchliche Grundstruktur lässt sich in folgender Übersicht zusammenfassen:
| Abschnitt | Inhalt | Leitfrage |
|---|---|---|
| Abstract | Komprimierte Essenz der gesamten Arbeit | Worum geht es und was kam heraus? |
| Einleitung | Ausgangspunkt, Forschungslücke, Problemstellung | Warum ist diese Untersuchung nötig? |
| Forschungsstand und Theorie | Analyse der bisherigen Literatur, theoretischer Ansatz, Hypothesen | Worauf baut die Untersuchung auf? |
| Methode | Forschungsdesign, Probanden, Erhebung, Verlauf | Wie wurde untersucht? |
| Ergebnisse | Darstellung der wesentlichen Befunde | Was wurde herausgefunden? |
| Diskussion und Fazit | Einordnung, Limitationen, Forschungsempfehlungen | Was bedeuten die Befunde? |
| Literaturverzeichnis | Alle zitierten Quellen | Worauf stützt sich der Text? |
Er besteht demnach aus der Darstellung des wissenschaftlichen Ausgangspunkts oder der Forschungslücke, einer Zusammenfassung der bisherigen analysierten Forschungsliteratur, dem daraus konzipierten theoretischen Ansatz und den daraus folgenden Forschungsfragen und -hypothesen, dem Forschungsdesign der eigenen Untersuchung mit Darstellung der Methodik, der Probanden, des Forschungsverlaufs, der Erhebung und der Publikation der wesentlichen Ergebnisse. Zum Abschluss werden die Ergebnisse diskutiert und Forschungsempfehlungen präsentiert, die in Zukunft von Relevanz sein können. Selbstverständlich muss ein wissenschaftlicher Artikel ein Literaturverzeichnis mit allen erwähnten Quellen umfassen. Bei empirischen oder experimentellen Arbeiten werden Berechnungen und Statistiken meist in den Fließtext des wissenschaftlichen Artikels aufgenommen.

Vom Forschungsprojekt zum fertigen Text: Schritt für Schritt
Das Schreiben eines wissenschaftlichen Artikels strukturiert sich nach den einzelnen hier erwähnten Gliederungspunkten. Dabei greift der Autor auf seine abgeschlossene Forschungsarbeit zurück. Der Weg lässt sich in fünf Schritten beschreiben:
- Forschungsfrage klären: Zuerst steht eine Forschungsfrage im Raum, die durch die Untersuchung beantwortet werden soll. Diese Frage lässt sich ggf. in einzelne Teilfragen differenzieren.
- Hypothesen formulieren: Das Kernstück einer Forschungsarbeit sind die Forschungshypothesen, die möglichst präzise formuliert sein müssen. In der Forschung geht es darum, diese durch die Untersuchung zu verifizieren oder zu falsifizieren.
- Methodik festlegen: Um dies zu erreichen, wird eine bestimmte Herangehensweise, die Forschungsmethodik, aufgeboten. Sie kann in empirischen Arbeiten aus einer Befragung, in experimentellen Arbeiten aus einem Experiment oder einer bestimmten Intervention (z. B. Behandlung mit Medikamenten), in historischen Arbeiten aus einer Quellenanalyse oder in Literaturarbeiten aus einer Literaturanalyse bestehen. Hierbei muss exakt nach wissenschaftlichen Leitlinien gearbeitet werden, um möglichst gut belegbare Ergebnisse zu erhalten. Eine gründliche Literaturrecherche bildet dabei in allen Disziplinen das Fundament.
- Ergebnisse darstellen: Stehen die Ergebnisse fest, werden sie möglichst differenziert und genau dargestellt, wobei methodische Probleme im Forschungsverlauf oder Forschungslücken benannt werden müssen. Bei quantitativen Studien gehört dazu auch die saubere statistische Auswertung der erhobenen Daten.
- Diskutieren und schlussfolgern: Das Schreiben eines wissenschaftlichen Artikels findet seinen Höhepunkt in der Diskussion der Ergebnisse und einer abschließenden Schlussfolgerung, wobei verschiedene Argumente gegeneinander abgewogen werden, um zu einer konsistenten, gut begründeten und qualifizierten abschließenden wissenschaftlichen Erkenntnis zu gelangen.
„Ein guter Artikel beantwortet eine einzige Frage vollständig – kein Gutachter erwartet, dass Sie Ihr gesamtes Forschungsfeld in zwanzig Seiten abhandeln.“ — aus unserer Coaching-Praxis
Warum lohnt sich die Mühe?
Das Schreiben eines wissenschaftlichen Artikels steht somit am Ende einer umfassenden und langwierigen Forschungsarbeit und stellt in komprimierter Form die wesentlichen Erkenntnisse dar. Da wissenschaftliche Autoren sich oft über Monate oder Jahre mit einem wissenschaftlichen Projekt befassen – etwa im Rahmen einer Dissertation –, wird auf die Güte und Qualität des wissenschaftlichen Artikels größte Aufmerksamkeit verwendet. Auch wetteifern Wissenschaftler auf der ganzen Welt um Erkenntnisfortschritte in ihrem Forschungsfeld, sodass der wissenschaftliche Artikel ein Ausweis ihrer wissenschaftlichen Kompetenz darstellt.
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