Kostenlose & unverbindliche Beratung
Individuell, diskret und schnell – wir melden uns innerhalb von 24 Stunden.
Jetzt Anfrage sendenInhaltsverzeichnis
Promotion: Gründe, die gegen eine Doktorarbeit sprechen
Ein Doktorand aus den Naturwissenschaften kam nach zweieinhalb Jahren Promotionszeit in unsere Beratung: Die Versuchsreihen lieferten keine verwertbaren Ergebnisse, die halbe Stelle am Lehrstuhl war fast vollständig mit Lehraufgaben gefüllt, und das Erspartes schmolz dahin. Seine Frage: „Hätte ich das vorher wissen können?“ Die ehrliche Antwort lautet: zumindest teilweise, ja. Genau deshalb lohnt es sich, vor dem Start die Argumente gegen eine Promotion genauso ernst zu nehmen wie die dafür.
Will man promovieren, sollte man sich zunächst das Pro und Contra überlegen. Die jeweiligen Argumente sollten sorgsam gegeneinander abgewogen werden – die Gegenseite haben wir in den Argumenten für eine Promotion zusammengestellt. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, vor allem die Frage, wie die mit der Promotion verbundene finanzielle „Durststrecke“ überwunden bzw. vermieden werden kann. Denn es gilt stets zu bedenken: Eine Promotion kostet viel Zeit und Mühe, und oftmals ist nicht absehbar, wie viel Zeit man letztlich tatsächlich benötigt, um eine wissenschaftlich vertretbare und ansprechende Dissertation zustande zu bringen.
Contra-Argument 1: Die ungelöste Finanzierungsfrage
Vorab ist stets zu klären, wie die Promotion finanziert werden soll. Dies ist von großer Bedeutung, denn eine Promotion kostet im Schnitt ca. 60.000 €. Es gibt mehrere Möglichkeiten – jede mit eigenen Schattenseiten:
- Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter: Die meisten Doktoranden finanzieren ihre Arbeit über eine Stelle am Institut bzw. am Lehrstuhl, an dem sie ihre Dissertation schreiben möchten. Sie partizipieren an den Forschungsprojekten des Instituts, und der akademische Austausch mit zahlreichen Spezialisten ist möglich – das gilt naturgemäß vor allem für jene, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Es können wertvolle Kontakte geknüpft werden, und auch in die Lehrveranstaltungen sind die Doktoranden eingebunden. Der Nachteil: Zu viel Zeit fließt in Aufgaben, die mit der Promotion nichts zu tun haben, die Bezahlung ist schlecht, und die Anfertigung der Dissertation kommt oft zu kurz – was Verlängerungen nach sich ziehen kann.
- Anstellung außerhalb der Universität: Auch diese Variante ist möglich. Entscheidend ist, ob neben der Arbeit noch genügend Zeit für die Promotion bleibt. Naturwissenschaftler können in Forschungsunternehmen eingesetzt werden und zugleich an ihrer Dissertation arbeiten; meist werden sie dann von der jeweiligen Firma für ein oder zwei Tage pro Woche freigestellt.
- Stipendium: Schließlich kann die Finanzierung auch mit Hilfe eines Stipendiums erfolgen. Allerdings wird dadurch oft nur ein Teilbedarf der anfallenden Kosten gedeckt.
Welche dieser Optionen realistisch ist, sollten Sie vor der Zusage durchrechnen – eine ausführliche Übersicht finden Sie in unserem Beitrag Wie finanziere ich eine Promotion?

Contra-Argument 2: Ungewisser Ertrag bei hohem Einsatz
Bevor man das Promotionsvorhaben beginnt, sollte man stets danach fragen, ob sich die Promotion tatsächlich lohnt – vor allem, wenn es sich um eine naturwissenschaftliche Fragestellung handelt, bei der sich verwertbare Resultate erst nach Durchführung zahlreicher Experimente und Forschungsreihen realisieren lassen. Hinzu kommt: Es ist nicht sichergestellt, dass nicht ein anderer Forscher zeitgleich die gleiche Thematik bearbeitet und früher publiziert.
Auch die Themenwahl selbst ist eine Hürde: Das Thema der Dissertation muss eigenständig gewählt und vertreten werden, und der jeweilige Doktorvater muss davon überzeugt werden. Es ist das Zeichen eines qualifizierten Akademikers, dass er dies ohne fremde Hilfestellung bewerkstelligen kann – professionelle Unterstützung beim Thema für die Doktorarbeit ist gleichwohl selbstverständlich möglich.

Contra-Argument 3: Der Universitätsalltag ist kein „luftleerer Raum“
Auch an Universitäten bzw. in den jeweiligen Fakultäten agieren Menschen. Es herrscht dort eine bestimmte Arbeitsatmosphäre – wie in einem Unternehmen, einer staatlichen oder einer anderen Organisation. Demgemäß sind alle menschlichen Affekte vertreten: Angst, Konkurrenzneid, Verdrängungstendenzen. Auch bei der Erstellung der Dissertation sind Termine bzw. Fristen zu beachten und Teilergebnisse zu präsentieren. Die Promotion entsteht nicht im „luftleeren Raum“, sondern in der alltäglichen Realität an Universitäten.
Wichtig ist die Konzentration auf das gewählte Thema – doch genau diese ist gefährdet: Doktoranden werden oft dazu angehalten, Vor- und Nacharbeiten für ihren Doktorvater zu übernehmen. Es besteht somit die Gefahr, dass die Fokussierung auf die Promotion verloren geht. Neben dem Abfassen der Dissertation sind Fachartikel zu verfassen, es muss an Fachkonferenzen teilgenommen werden, und der Doktorvater wird Sie drängen, viele Beiträge für ihn zu produzieren.

Der Ampel-Selbsttest: Sollten Sie wirklich promovieren?
Aus unserer Beratungspraxis mit Promovierenden hat sich ein einfacher Selbsttest bewährt. Beantworten Sie die folgenden fünf Fragen ehrlich – jedes „Nein“ ist eine gelbe, zwei oder mehr „Nein“ sind eine rote Ampel:
- Ist meine Finanzierung für mindestens drei Jahre realistisch gesichert?
- Brenne ich für ein konkretes Forschungsthema – unabhängig vom Titel?
- Kann ich mit unsicheren Zwischenergebnissen und Rückschlägen umgehen?
- Bin ich bereit, Zusatzaufgaben (Lehre, Fachartikel, Konferenzen) mitzutragen?
- Brauche ich den Doktortitel tatsächlich für mein Berufsziel?
Merke: Das mit dem Führen eines Doktortitels verbundene Renommee sollte niemals die Haupttriebfeder sein. Nur wer trotz aller Unzulänglichkeiten und Beschwernisse genügend Optimismus aufbringt und einen langen Atem hat, wird Erfolg haben.
Fällt Ihr Selbsttest überwiegend „grün“ aus, finden Sie in unserer Rubrik Wissenswertes über die Promotion alle weiteren Schritte – von den Voraussetzungen bis zum Ablauf. Fällt er „rot“ aus, ist das kein Scheitern, sondern eine kluge, frühe Entscheidung: Haben Sie den langen Atem nicht, spricht dies gegen eine Promotion – und für einen direkteren Karriereweg.


