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Überblick der Themenschwerpunkte
In Deutschland stehen Schulabgängern mehr als 300 anerkannte Ausbildungsberufe und über 20.000 Studiengänge offen – kein Wunder, dass die Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium vielen schwerfällt. Bereits vor dem Abitur stellt sich die Frage, wie es danach weitergehen soll. Viele Schüler wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob sie ein Studium ergreifen oder eine Ausbildung absolvieren sollen. Andere hingegen haben präzise Vorstellungen und können es gar nicht abwarten, endlich nur noch das tun zu dürfen, was sie am meisten interessiert und wo ihre Neigungen liegen.
Diejenigen, die noch unsicher sind oder gegebenenfalls noch überhaupt keine Vorstellung haben, müssen abwägen, welchen Weg sie gehen wollen. Dabei gibt es Argumente, die für die eine, und solche, die für die andere Variante sprechen. Viele Schüler kommen erst nach dem Abistress, d. h. nach den schriftlichen Prüfungen, dazu, sich detailliert Gedanken zu machen. Man sollte sich die Entscheidung nicht leicht machen, hängt doch von ihr sehr vieles ab – letztlich der weitere berufliche Lebensweg. Allerdings ist zu beachten: Auch nach Beendigung einer Berufsausbildung kann immer noch ein Studium an einer Universität im In- oder Ausland oder an einer Fachhochschule aufgenommen werden.
Der 5-Fragen-Kompass: So strukturieren Sie Ihre Entscheidung
Die Entscheidung muss auf die besonderen Fähigkeiten, Interessen und Neigungen Rücksicht nehmen, die beim Abiturienten vorhanden sind. Dabei ist es sinnvoll, wie auch in anderen Lebenssituationen, objektive Eckpunkte zu erarbeiten und einen Kriterienkatalog zu erstellen, bei dem jeder einzelne Gesichtspunkt geprüft und beurteilt werden muss. Diese Ecksteine sind individuell verschieden; hier können nur die wichtigsten, in den meisten Fällen maßgeblichen Aspekte angeführt werden. Möglicherweise kommen im Einzelfall weitere hinzu oder einige sind ohne Relevanz. Dies muss jeder für sich beurteilen – und zwar in aller Ruhe und ohne Zwang oder Hetze. Aus unserer Beratungspraxis hat sich dafür ein Kompass aus fünf Leitfragen bewährt:
- Berufsziel: Wie kann der „Traumberuf“ erreicht werden?
- Zulassung: Reichen Noten und Abschlüsse für den gewünschten Weg?
- Finanzierung: Wie werden Ausbildung oder Studium bezahlt?
- Perspektive: Wie sehen die langfristigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus?
- Persönlichkeit: Sind Sie eher der praktische oder der theoretische Typ?

Berufsziel und Zulassung prüfen
Setzt der Beruf zwingend ein Studium voraus oder lediglich eine nichtuniversitäre Ausbildung? Haben Sie Freunde, Bekannte oder Verwandte, die in dem jeweiligen Beruf tätig sind? Wenden Sie sich an sie, fragen Sie nach und finden Sie heraus, welche Meinung und Erfahrungen sie gemacht haben. Reicht Ihr Notendurchschnitt aus, um das Studium oder die Ausbildung aufnehmen zu können? Gibt es objektive Zulassungsbeschränkungen in Form eines Numerus Clausus? Handelt es sich um ein Fach, das auch in der Schule unterrichtet wurde – und wie sind Ihre Noten in diesem Fach? Reichen diese nicht: Gibt es eine Möglichkeit, trotzdem einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu bekommen? Gibt es Wartelisten? Empfiehlt sich ein Studium im europäischen Ausland, und wird das Studium dort bei der späteren Zuteilung eines Studienplatzes berücksichtigt? Eine strukturierte Hilfestellung für all diese Punkte bietet unsere Checkliste zur Studienwahl.
Tipp aus der Praxis: Sprechen Sie nicht nur mit Menschen, die Ihren Wunschberuf lieben, sondern gezielt auch mit solchen, die ihn wieder verlassen haben. In unserer Beratung zeigt sich immer wieder: Erst beide Perspektiven ergeben ein realistisches Berufsbild.
Finanzierung: der „hard fact“
Ein weiterer „hard fact“: Wie soll die Ausbildung oder das Studium finanziert werden? Gibt es Fördermöglichkeiten, Stipendien etc.? Wie sind die Chancen, an diese heranzukommen? Für viele Studierende ist die staatliche Förderung ein zentraler Baustein – was Ihnen zusteht und wie Sie es beantragen, lesen Sie in unserem Beitrag Was bringt BAföG?. Wie sieht es mit einer Wohnung aus? Bleiben Sie zuhause wohnen oder werden Sie in eine andere Stadt umziehen müssen? Wie wollen Sie das finanzieren? Müssen Sie gegebenenfalls während des Studiums oder in den Ferien einen Studentenjob ausüben?

Langzeitperspektive und Persönlichkeit
Auch die Langzeitperspektive muss stimmen: Wie sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Welche Möglichkeiten haben Sie, wenn Sie die Ausbildung oder das Studium beendet haben? Wie sind Ihre Präferenzen – eher praktischer Art, oder sind Sie eher ein theoretischer „Typ“? Wer sich für den akademischen Weg entscheidet, steht zudem vor der Anschlussfrage, welcher Hochschultyp passt – eine Orientierung bietet unser Vergleich FH oder Uni. Und nicht vergessen: Müssen bei der Bewerbung Fristen eingehalten werden?
Vor- und Nachteile sorgsam abwägen
Egal, wie Sie sich entscheiden: Sie sollten auf jeden Fall die Vor- und Nachteile von Ausbildung und Studium sorgsam gegeneinander abwägen. Der Vorteil eines Studiums besteht sicherlich darin, dass Ihnen auf diese Weise die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Karriere eröffnet wird. Sie werden später – nach dem Abschluss des Studiums – bessere Verdienstchancen haben; auch sind die Aufstiegschancen in Unternehmen und Verwaltungen günstiger. Nachteilig ist dagegen, dass die Zeit bis dahin sehr lang werden kann. Sie müssen also mehr Geduld aufbringen, wenn es Ihnen vor allem auf den pekuniären Aspekt ankommt. Während dieser Zeitspanne sind Sie finanziell von anderen abhängig.
Genau dies ist bei einer Berufsausbildung nicht der Fall: Sie verdienen relativ schnell Ihr eigenes Geld und sind nicht mehr von den Eltern oder anderen abhängig, sind also schneller Ihr eigener „Herr“. Die Berufsausbildung hat auch einen stärkeren Praxisbezug, sie ist weniger theoretisch konzipiert. Und das Studium bleibt Ihnen erhalten: Sie können es nach Beendigung der Berufsausbildung immer noch „dranhängen“.

Unsicher? Praktikum und duales Studium als dritter Weg
Sind Sie sich nicht sicher, wie Sie sich entscheiden sollen, dann sollten Sie zunächst erst einmal ein Praktikum machen. Das dauert meist nur ein paar Wochen oder einige Monate. In dieser Zeit finden Sie heraus, was Sie wollen. Dadurch „schnuppern“ Sie auch in den jeweiligen Beruf hinein – und zwar so, wie er später tatsächlich ausgeübt wird.
Die Vorteile von Ausbildung und Studium werden am besten bei einem dualen Studium kombiniert: Theoriephasen an der Hochschule wechseln sich mit Praxisphasen im Unternehmen ab, und Sie verdienen von Beginn an eigenes Geld. Die Plätze sind allerdings rar und stark „umkämpft“; es bestehen lange Wartelisten und die Bewerbungsfristen liegen oft deutlich früher als bei klassischen Studiengängen.

Merke: Es gibt keine endgültig „falsche“ Entscheidung – die deutschen Bildungswege sind durchlässig. Wer mit einer Ausbildung startet, kann später studieren; wer das Studium abbricht, kann in eine verkürzte Ausbildung wechseln. Entscheidend ist, überhaupt bewusst zu entscheiden, statt sich treiben zu lassen.


