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Bachelor oder Masterstudium? Der Leitfaden von Hauck & Autoren
Der Bologna-Prozess, 1999 von 29 europäischen Staaten beschlossen, hat das deutsche Hochschulsystem grundlegender verändert als jede andere Reform der letzten Jahrzehnte: Aus einstufigen Diplom- und Magisterstudiengängen wurde das zweistufige Bachelor-Master-System. Wer heute am Anfang des Studiums steht, fragt sich daher, ob man sich für den Bachelortitel oder – wo noch möglich – für einen Diplomstudiengang entscheiden soll. Dabei ist zu beachten, dass Diplomstudiengänge heute größtenteils nicht mehr angeboten werden: Sie laufen im Zuge des Bologna-Prozesses weitestgehend aus und werden durch das Bachelor-Master-System ersetzt. Dieser Leitfaden ordnet die Rechtslage, die Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt und die praktischen Konsequenzen für die Studienwahl ein.
Die Rechtslage: Von Bundesland zu Bundesland verschieden
In Baden-Württemberg durften seit der Gesetzesnovelle von 2005 keine neuen Diplom- beziehungsweise Magisterstudiengänge mehr eingeführt werden; ab Beginn des Wintersemesters 2009/10 durften keine Studienanfänger mehr in diesen Studiengängen aufgenommen werden. In Bayern ist seit dem Wintersemester 2009/10 die Aufnahme des Studiums in Bachelorstudiengängen die Regel – lediglich bei Staatsprüfungen (z. B. Staatsexamina in Jura oder Medizin beziehungsweise kirchlichen Prüfungen) verbleibt es beim bisherigen System. Auch in anderen Bundesländern bestehen vergleichbare Regelungen. Wieder andere Länder erhalten Studiengänge mit Diplom- und sonstigen Abschlüssen unter bestimmten Voraussetzungen oder in begründeten Ausnahmefällen aufrecht, ohne dass eine zeitliche Befristung vorgesehen ist.
Teilweise können auch Diplomstudiengänge zum Dipl.-Ing. oder zum Diplomkaufmann beziehungsweise zur Diplomkauffrau weiterhin absolviert werden. Da im Bereich des Hochschulrechts den Ländern die Gesetzgebungskompetenz zusteht, variiert die Rechtslage von Bundesland zu Bundesland. Demgemäß ist es notwendig, sich zunächst nach den rechtlichen Rahmenbedingungen im jeweiligen Land zu erkundigen.
Merke: Hochschulrecht ist Ländersache. Ob ein Diplomabschluss überhaupt noch erreichbar ist, entscheidet nicht die Wunschhochschule allein, sondern das jeweilige Landesrecht – diese Information gehört an den Anfang jeder Studienplanung.
Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt: Tradition gegen Internationalität
Bevor die Frage gestellt wird, ob ein Bachelor- oder ein Diplomstudiengang gewählt werden soll, muss man sich vergegenwärtigen, ob und inwieweit der jeweilige Abschluss auf dem Arbeitsmarkt anerkannt wird. Der Vorteil der bisherigen Studiengänge besteht darin, dass sie über eine langjährige Tradition verfügen und allseits bei Unternehmen und in der Bevölkerung anerkannt sind. Vor allem in technischen Fächern genießen sie einen ausgezeichneten Ruf.
Allerdings wurde auch bei den Diplomingenieuren mittlerweile die Umstellung auf den Bologna-Prozess vollzogen. Fast alle Fachhochschulen und die meisten Universitäten haben ihre Ingenieurstudiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Die Abschlüsse lauten nunmehr „Bachelor of Engineering (B. Eng.)“ oder „Bachelor of Science (B. Sc.)“ beziehungsweise „Master of Engineering (M. Eng.)“ oder „Master of Science (M. Sc.)“. Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt zur Bildungsnivellierung und Uniformierung, zur Unterordnung unter US-amerikanische Ausbildungstraditionen und letztlich zur Schwächung der deutschen Wissenschaftssprache und der eigenen kulturellen Identität. Lediglich an der Technischen Universität München kann noch der Titel Dipl.-Ing. (TUM) erworben werden.
Abgesehen von diesen grundsätzlichen Erwägungen kann sich der Einzelne der Systemumstellung nicht entziehen. Positiv ist zumindest festzustellen, dass der Bachelortitel – der nicht mit dem bisherigen Diplom vergleichbar ist – mittlerweile in der Bevölkerung und in Unternehmerkreisen auf Akzeptanz stößt. Absolventen der neuen Studiengänge haben daher so gut wie keine Nachteile mehr gegenüber Absolventen der tradierten Studiengänge; auch gehaltsmäßig lassen sich keine Unterschiede mehr ausmachen.
Bachelor, Master, Diplom: Die Abschlüsse im Vergleich
| Kriterium | Bachelor | Master | Diplom (auslaufend) |
|---|---|---|---|
| Regelstudienzeit | 3 Jahre (6 Semester) | 2–4 Semester zusätzlich | 4–5 Jahre einstufig |
| Status | Erster offizieller Hochschulabschluss | Entspricht dem bisherigen Diplomniveau | Traditioneller einstufiger Abschluss |
| Internationale Anerkennung | Hoch | Hoch | Vor allem im Inland etabliert |
| Promotionsberechtigung | In der Regel erst mit Master | Ja | Ja |
| Verfügbarkeit heute | Regelfall | Regelfall | Nur noch Ausnahmen (z. B. TUM) |
Wichtig für die Einordnung: Anders als das frühere Zwischendiplom ist der Bachelor ein offizieller Universitätsabschluss. Mit dem bisherigen Diplomtitel vergleichbar ist jedoch erst der Mastertitel. Die Unterschiede im Detail beleuchtet unser Beitrag zum Unterschied zwischen Diplom und Master.

Chancen und Schwächen des Bachelorstudiums
Die anfänglichen Probleme der Bachelorstudiengänge sind weitgehend überwunden. Die Mehrzahl der Studierenden absolviert das Studium in der vorgegebenen Regelstudienzeit von drei Jahren. Davon ist auszugehen: Die Wahl zwischen Bachelor und Diplom wird sich zukünftig praktisch nicht mehr stellen. Ein klarer Vorteil des Bachelorstudiums: Man kann während und nach dem Studium auch im Ausland studieren, zumal der Bachelor international anerkannt ist – Tipps zur Planung gibt unser Beitrag zum Studium im Ausland.
Allerdings ist zu beachten, dass die Zahl der Studienabbrecher in Bachelorstudiengängen im Vergleich zu den traditionellen Studiengängen relativ hoch ist. Vor allem in den Ingenieurwissenschaften liegt die Abbrecherquote wesentlich höher als früher: Die Umstellung der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge vom Diplom- zum Bachelor-Abschluss ist oftmals mit einer erheblichen zeitlichen Straffung verbunden – der gleiche Stoffumfang muss in kürzerer Zeit bewältigt werden. Auch bei Bachelorstudiengängen in Sozial-, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sind sehr hohe Abbrecherquoten zu verzeichnen. Dies hängt damit zusammen, dass zwar der Studienaufbau aus England und den USA übernommen wurde, nicht aber das dort bestehende Tutorensystem: Die individuelle Betreuung ist hierzulande nicht gleichermaßen intensiv.
Tipp aus der Praxis: In unserer Coaching-Arbeit zeigt sich immer wieder, dass die fehlende Betreuung das eigentliche Risiko im Bachelorstudium ist – nicht der Stoffumfang. Wer sich früh ein eigenes Unterstützungsnetz aufbaut (Lerngruppen, Sprechstunden, externes Coaching), gleicht den Nachteil gegenüber dem angelsächsischen Tutorensystem weitgehend aus.
Fazit: Master als Standard, kritischer Blick erlaubt
Die meisten Studierenden stehen dem neuen System nach wie vor kritisch gegenüber: Sie streben mehrheitlich den Masterabschluss an und beklagen einen unzureichenden Praxisbezug. Für die persönliche Studienplanung heißt das: Den Bachelor als vollwertigen ersten Abschluss ernst nehmen, die Masterfrage aber früh mitdenken – und bei der Wahl der Hochschule auch den Hochschultyp prüfen, denn FH oder Uni unterscheiden sich gerade beim Praxisbezug erheblich. Wer beide Entscheidungen bewusst trifft, nutzt das zweistufige System als Chance statt es nur zu erdulden.


