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Was soll ich wählen: Berufsbegleitendes Studium oder Vollzeitstudium?
Ein verbreiteter Denkfehler bei dieser Entscheidung: Viele unterschätzen das berufsbegleitende Studium als „Studium light“ – tatsächlich verlangt kaum eine andere Ausbildungsform so viel Disziplin, Ausdauer und Organisationstalent. Die nachfolgenden Ausführungen richten sich vor allem an Personen, die bereits einen Beruf ausüben; Schulabgänger stehen in der Regel direkt vor der Wahl eines Vollzeitstudiums. Wer beide Modelle ernsthaft vergleichen will, sollte die jeweiligen Anforderungen realistisch kennen – genau dabei hilft dieser Überblick.
Für wen kommt ein berufsbegleitendes Studium infrage?
Ein Studium neben dem Beruf aufzunehmen und auch durchzuhalten erfordert großen Idealismus, viel Verzicht auf den Umgang mit den Liebsten – der eigenen Familie, dem eigenen Partner – und vor allem ein hohes Maß an Belastungsfähigkeit und Ausdauer. Es kann zudem sein, dass die Ausbildung wesentlich länger dauert als bei „normalen“ Vollzeitstudierenden. Mehrheitlich sind es daher eher ältere bzw. berufserfahrene Personen, die sich dieser besonderen Herausforderung unterziehen.
Trotz der damit verbundenen Mühen findet diese Form des Studiums in Deutschland immer mehr Anhänger und immer größere Verbreitung. Das berufsbegleitende Studium ist vor allem für Personen geeignet, die bereits voll im Berufsleben stehen und sich zusätzlich, neben dem Beruf, weiterbilden wollen. Aber auch immer mehr Berufsanfänger wählen diese Form der Ausbildung. Eng verwandt ist das Duale Studium, bei dem Theorie- und Praxisphasen von Beginn an institutionell miteinander verzahnt sind.
Welche Formen des berufsbegleitenden Studiums gibt es?
Konkret schreibt sich die oder der Berufstätige neben dem Job an einer Universität, einer Fachhochschule oder einer privaten Hochschule ein – von Letzteren gibt es in Deutschland inzwischen viele. Dabei haben sich mehrere Organisationsformen etabliert:
- Abend- und Wochenendstudium: Lehrgänge mit Anwesenheitspflicht; die Teilnahme an Vorlesungen und Seminaren erfolgt vorzugsweise abends oder am Wochenende.
- Blockseminare: Kompakte Präsenzphasen, die vor allem im Urlaub oder bei anderen Gelegenheiten besucht werden.
- Fernstudium: Der Lernstoff wird zu Hause erarbeitet; Anwesenheitspflicht besteht nur bei wenigen besonderen Veranstaltungen, zu denen man in der Lehreinrichtung persönlich erscheinen muss.
Ob dabei FH oder Uni die passendere Hochschulform ist, hängt von der Fachrichtung, dem gewünschten Praxisbezug und den persönlichen Zielen ab.

Die Vorteile des berufsbegleitenden Studiums
Die Vorteile bestehen vor allem darin, dass Sie finanziell unabhängig bleiben: Sie verdienen während des Studiums weiterhin Geld, was bei einem Vollzeitstudium in der Regel nicht der Fall ist. Auch der gewohnte Lebensstandard lässt sich meist aufrechterhalten. Zudem geht der so wichtige Bezug zwischen Theorie und Praxis nicht verloren – das Gelernte lässt sich oft unmittelbar im Job anwenden. Und schließlich übernehmen Arbeitgeber, sofern das Studium eine berufliche Zusatzqualifikation vermittelt, oftmals die anfallenden Kosten oder beteiligen sich zumindest an ihnen.
Die Schattenseiten: Doppelbelastung und Zeitmanagement
Die Nachteile liegen auf der Hand: So gut wie keine Freizeit ist mehr möglich, und für alle Beteiligten – vor allem die Familie – stellt dieses Modell eine große Doppelbelastung dar. Erforderlich sind ein straffes Zeitmanagement und eine gut organisierte Durchplanung des Alltags.
Der Wochenstunden-Realitätscheck
In unserer Coaching-Praxis empfehlen wir vor der Einschreibung eine einfache Rechnung: Notieren Sie eine typische Woche mit Arbeitszeit, Pendelzeit, familiären Verpflichtungen und Schlaf – und prüfen Sie ehrlich, ob die für das Studium nötigen Lern- und Präsenzstunden tatsächlich übrigbleiben. Wer dieses Pensum schon auf dem Papier nicht unterbringt, wird es im Alltag erst recht nicht schaffen. Dann ist es klüger, das Studienmodell anzupassen – etwa auf ein Teilzeit- oder Fernstudium –, als nach zwei Semestern entkräftet abzubrechen.
Tipp aus der Praxis: Planen Sie pro Präsenz- oder Vorlesungsstunde mindestens noch einmal dieselbe Zeit für Vor- und Nachbereitung ein – und blocken Sie diese Stunden verbindlich im Kalender, wie einen Geschäftstermin.
Das Vollzeitstudium: die Vorteile
Bei einem Vollzeitstudium befassen Sie sich ausschließlich mit Ihrem Studium und üben nicht gleichzeitig eine Berufstätigkeit aus. Im Vergleich zum berufsbegleitenden Modell ergeben sich daraus mehrere Vorteile:
- Persönliche und berufliche Entwicklung: Sie haben die Chance, verschiedene Arbeitsbereiche in Praktika und Nebentätigkeiten auszuprobieren.
- Mehr Freizeit und Gestaltungsfreiheit: Der Stundenplan kann individuell gestaltet werden, eigene Schwerpunkte sind möglich.
- Wissenschaftliche Ausrichtung: Im Vordergrund steht die akademische Ausbildung selbst – und nicht nur die Frage nach der Verwertbarkeit der erlernten Kenntnisse im Berufsleben.
- Auslandserfahrung: Ein Auslandsaufenthalt ist während eines regulären Studiums deutlich leichter zu verwirklichen; was dabei zu beachten ist, zeigt unser Beitrag zum Studieren im Ausland.

Das Vollzeitstudium: die Nachteile
Die Nachteile des Vollzeitstudiums ergeben sich aus dem direkten Vergleich mit dem berufsbegleitenden Studium: Es fehlt die finanzielle Unabhängigkeit. Bekanntermaßen sind viele Studierende auf Zusatzjobs und Nebentätigkeiten angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen – staatliche Förderung kann hier entlasten, wie unser Überblick zum BAföG zeigt. Zudem wird praktische Erfahrung an Universitäten nur selten vermittelt; es bedarf daher zusätzlicher Anstrengungen wie Praktika oder Werkstudententätigkeiten, um einen echten Praxisbezug zu bekommen.
Fazit: Welche Studienform passt zu Ihrer Lebenssituation?
Eine pauschal richtige Antwort gibt es nicht – wohl aber eine ehrliche: Wer mitten im Berufsleben steht, finanzielle Verpflichtungen hat und sein Karriereziel kennt, fährt mit dem berufsbegleitenden Studium gut. Wer dagegen die Zeit, die Neugier und die Möglichkeit hat, sich ganz auf die akademische Ausbildung einzulassen, profitiert von den Freiräumen des Vollzeitstudiums. Entscheidend ist, dass die Studienform zu Ihrer Lebenssituation passt – nicht umgekehrt. Weitere Entscheidungshilfen rund um die Wahl des richtigen Studiums finden Sie in unserer Rubrik Studiumwahl.


