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FH oder Uni: Unterschiede, Vorteile und Entscheidungshilfe
Sechs Semester bis zum Bachelor an der Universität, sieben bis acht an vielen Fachhochschulen – schon an der Regelstudienzeit zeigt sich, dass beide Hochschulformen unterschiedlichen Logiken folgen. Die Entscheidung für die Fachhochschule oder die Universität hängt davon ab, ob Sie eher praktisch veranlagt sind und möglichst rasch in der Praxis arbeiten wollen – oder ob Sie eher theoretische Neigungen und Fähigkeiten haben und Ihnen eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung wichtig ist. Generell lässt sich der Unterschied so auf den Punkt bringen: An Unis wird mehr geforscht, Fachhochschulen sind praxisnäher. Dieser Unterschied wird zwar zunehmend geringer, bleibt für Studienanfänger bei der Entscheidung aber eine wichtige Orientierung.
Was sich seit dem Bologna-Prozess geändert hat
Früher erwies sich der Zusatz „FH“ hinter dem „Dipl.-Ing.“ für das weitere berufliche Fortkommen mitunter als nachteilig: Uni-Absolventen galten allgemein als theoretisch besser geschult, während Absolventen von Fachhochschulen als rein anwendungsorientierte Praktiker galten. Dies hat sich durch den sogenannten Bologna-Prozess geändert. Die Grenzen zwischen beiden Hochschulformen beginnen sich zu verwischen: An Universitäten sind Praxissemester immer häufiger Teil des Lehrangebots, andererseits wird an Fachhochschulen zunehmend mehr geforscht.
Unabhängig davon wollen sich Fachhochschulen auch weiterhin primär über die anwendungsorientierte Ausbildung profilieren, während an den Universitäten nach wie vor mehr geforscht und weniger unterrichtet wird. Was ein Studium an der FH im Alltag konkret auszeichnet, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst.

Studienstruktur und Lernstil: Der Selbsttest in fünf Fragen
Die Ausbildung an Fachhochschulen zeichnet sich durch klare Strukturen und konkrete Berufsziele aus: Die Stundenpläne werden festgelegt, fast wie in der Schule. An Universitäten haben Studierende dagegen mehr Freiraum bei der Fächerwahl. Das hat seine Vorteile – etwa die Möglichkeit, in verschiedene Themenbereiche und Fachgebiete „hineinzuriechen“ –, kann aber auch zur Überforderung führen. Hinzu kommt: Seit Bologna ist auch das Studium an der Universität zunehmend verschult und stärker an ökonomischen Aspekten orientiert; von der vielbeschworenen akademischen Freiheit ist weniger zu spüren als früher.
Ob FH oder Uni besser zu Ihnen passt, ist somit vor allem eine Frage des persönlichen Lernstils. Fünf Fragen für den Selbsttest:
- Kann ich mir meine Zeit gut selbst einteilen – oder hilft mir ein verbindlicher Stundenplan?
- Vertiefe ich mich gern in Bücher und studiere auch einmal um des Erkenntnisgewinns willen?
- Weiß ich bereits genau, in welchem Berufsfeld ich später arbeiten möchte?
- Brauche ich regelmäßiges Feedback in kleinen Gruppen – oder komme ich mit großen Vorlesungen zurecht?
- Strebe ich langfristig eine wissenschaftliche Laufbahn oder eine Promotion an?
Wer überwiegend Struktur, Berufsklarheit und Praxis ankreuzt, tendiert zur Fachhochschule; wer Freiheit, Theorie und Forschung wählt, eher zur Universität.
Tipp aus der Praxis: Besuchen Sie vor der Bewerbung je eine Lehrveranstaltung an FH und Uni – viele Hochschulen öffnen Vorlesungen für Interessierte. Ein einziger Vormittag im Hörsaal sagt oft mehr als jede Broschüre.
Berufsziele und typische Studiengänge
Studiengänge an der Fachhochschule zielen stärker auf einen konkreten Beruf ab. Dies gilt zum Beispiel für Angebote wie „Nautik und Seeverkehr“ an der Hochschule Bremen oder „Pflegemanagement“ an der HS Fulda. Wer also schon früh weiß, wo es hingehen soll, kann sich den passenden Studiengang an einer FH aussuchen.
Wer sich dagegen mehrere Berufsfelder offenhalten will, sollte sich eher für die Universität entscheiden – konkret: Statt „Internationales Management mit Arabisch“ empfiehlt sich dann ein grundständiges Studium der Betriebswirtschaftslehre an einer Universität.

Arbeitsmarkt und Gehalt: Wie groß sind die Unterschiede noch?
Wer jetzt einen Abschluss macht, hat hervorragende Jobchancen – egal, ob er von der FH oder der Uni kommt. Wegen des zunehmenden Fachkräftemangels und der Überalterung der Bevölkerung suchen Unternehmen verstärkt nach gut ausgebildeten Akademikern. Auf die Unterscheidung zwischen FH und Uni wird dabei immer weniger geachtet; auch die Vergütungen nähern sich immer weiter aneinander an. Lediglich die obersten Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen bleiben offensichtlich nach wie vor häufig Personen mit Universitätsabschluss vorbehalten.
Zu den Topverdienern gehören vor allem Absolventen der klassischen Universitätsstudiengänge, zum Beispiel Mathematik, Rechtswissenschaften, Biologie, Chemie, Physik und Medizin. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Uni-Absolventen teilweise nach wie vor bevorzugt werden – ein Automatismus ist das aber längst nicht mehr.
Merke: Unternehmen achten zunehmend auf die individuelle Qualifikation statt auf die Hochschulform. Praktika, Abschlussnote und Spezialisierung wiegen im Lebenslauf meist schwerer als das Kürzel hinter dem Hochschulnamen.
Die dritte Option: das Duale Studium
Eine weitere Möglichkeit ist das Duale Studium. Diese Studienform wird sowohl von Fachhochschulen als auch von Universitäten angeboten und eignet sich vor allem für Personen, die bereits berufstätig sind oder Theorie und Praxis von Anfang an verbinden wollen. Weitere Entscheidungshilfen rund um die Wahl des passenden Studiums finden Sie in unserer Rubrik Studiumwahl.


